"Sagt uns nicht, dass es nicht geht!"

 
 

Am 24. Juni 1972 wurde vom SPD-Parteivorstand der Beschluss gefasst, eine Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen – ASF zu gründen. Grund genug für den Vorstand der ASF im Bezirk Hannover, an diesen Tag vor 45 Jahren zu erinnern. Und so hatte sie nach Hannover ins Leonardo Hotel zur Feierstunde eingeladen. Hier unser Bericht dazu:

 

Als Gesprächspartnerinnen waren dazu drei große Frauen der SPD ausgesucht worden, die in der Öffentlichkeit nicht immer so sichtbar sind, wie sie es verdient haben – das wurde bereits bei ihrer Vorstellung durch die ASF-Bezirksvorsitzende und Landtagsabgeordnete Luzia Moldenhauer deutlich. Den 50 anwesenden Gästen gab Moldenhauer einen kurzen Einblick in das politische Wirken der drei Frauen, die dann die Gelegenheit erhielten, sich selbst den Anwesenden vorzustellen: Barbara Simons, Inge Wettig-Danielmeier und Monika Ganseforth.

 
Foto: 45 Jahre ASF-Gründungsbeschluss

Barbara Simons, Inge Wettig-Danielmeier und Monika Ganseforth.

Alle drei berichteten von ihren Anfängen in der Politik und in der Partei, an denen sehr viel häufiger als für viele junge Frauen heute das Überwinden von Widerständen stand. Alle drei eint, dass sie nicht in die Partei eingetreten waren, um Frauenpolitik zu machen - am Ende aber direkt oder indirekt genau dies taten. Weil sie durch ihr Handeln und ihre Erfolge zeigten, dass sie für Fachthemen und Inhalte stehen: die langjährige Schatzmeisterin Inge Wettig-Danielmeier, die Kämpferin für die Energiewende - lange bevor diese so hieß - Monika Ganseforth, und die Europapolitikerin Barbara Simons. Sie alle beschrieben eindrücklich, wie sie ihren Erfolgsweg verfolgten, und sich nicht davon beeindrucken ließen, ob ihnen anderen diesen Weg zutrauten oder nicht. Dass sie andererseits aber auch zugriffen, wenn ihnen andere eine bestimmte Aufgabe zutrauten.

 
Foto: 45 Jahre ASF-Gründungsbeschluss

Luzia Moldenhauer stellt die Ehrengäste vor.

In der Diskussion mit den Gästen, die sich sehr aktiv beteiligten, wurde deutlich, dass die offensichtlichen Erfolge der letzten Jahrzehnte nicht darüber hinweg täuschen dürften, dass weiterhin viel zu tun bleibt. So berichtete eine Unternehmerin, dass bei Anrufen, die sie entgegen nehme, sie immer wieder nach „dem Chef“ gefragt werde. Eine weibliche Stimme am anderen Ende des Telefons scheint vielen Menschen immer noch zu suggerieren, sie seien mit einer Sekretärin bzw. Büroleiterin verbunden. Da müssen sich noch Bilder in den Köpfen ändern, wurde vielsagend kommentiert. Weitere Beispiele von den Teilnehmerinnen bezogen sich auf die häufig sehr einseitige Darstellung von Geschlechterrollen in der Gesellschaft, insbesondere in der Werbung und den Medien, die mangelnde Sichtbarkeit dagegen von Frauen, wenn es um Fach- und Sachkompetenz geht. Die frauenpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion Dr. Thela Wernstedt bestätigte die vorher beschriebene Situation junger Frauen, die sich oftmals als gleichberechtigt betrachten, aber in die Strukturfalle treten: „Laut Gleichstellungsbericht der Bundesregierung arbeiten Frauen im Haushalt immer noch 50 Prozent mehr als Männer. Sie verdienen im Durchschnitt immer noch weniger und sind durch Teilzeitbeschäftigung von Armut im Rentenalter stärker bedroht.“

 
Foto: 45 Jahre ASF-Gründungsbeschluss

Thela Wernstedt mit ihrem Diskussionsbeitrag.

ASF-Bundes- und Bezirksvorstandsmitglied Afra Gamoori ist mit ihren 26 Jahren eine der jungen engagierten Frauen, die sich mit hohem zeitlichen Aufwand dafür einsetzen, dass Frauenrechte als Menschenrechte anerkannt werden. Sie appellierte eindringlich an die anwesenden Frauen, sich für die Gleichstellung von Männern und Frauen in allen Bereichen einzusetzen und sie plädierte für generationenübergreifende Diskussionen: „So, wie wir heute miteinander diskutieren, profitieren wir alle voneinander. Wir jungen Frauen lernen aus den Erzählungen der erfahrenen und die gestandenen Frauen lernen unsere Wünsche und Vorstellungen für unsere Zukunft kennen und können uns unterstützen.“ Und so stand die Veranstaltung auch unter dem Motto „Sagt uns nicht, dass es nicht geht!“ Politisch, sozial, gesellschaftlich oder persönlich, oder von allem etwas, weil die Aussage „Das Private ist politisch!“ damals eine größere Rolle spielte als heute. Das zeigte beispielsweise auch die Erzählung von Barbara Simons von ihren Begegnungen mit Nelson Mandela.

 
Foto: 45 Jahre ASF-Gründungsbeschluss

Die Zuhörerinnen waren sehr interessiert und nahmen aktiv an den Diskussionen teil.

Dass mit Bernd Rödel ein männlicher Bürgermeister die Frauen in „seinem“ Bezirk begrüßte, wunderte die anwesenden Frauen nicht, wissen sie doch, dass der Frauenanteil in den Kommunalparlamenten noch ausbaubar ist. Und so nahmen sie sein Lob für die engagierte Arbeit der ASF dankend und gern entgegen. „Sagt uns nicht, dass es nicht geht!“ nahm die ASF im Bezirk auch als Motto für die anstehenden Wahlkämpfe zur Bundestagswahl im September und zur Landtagswahl im Januar. „Wir können gewinnen und wir wollen gewinnen – und wir brauchen die Frauen, um zu gewinnen!“ stellte Luzia Moldenhauer fest. Inge Wettig-Danielmeier und Monika Ganseforth appellierten in ihrem Schlusswort an die Frauen, Frauen zu unterstützen: „Allein schafft es keine!“ Viele der Gäste verabschiedeten sich mit einem Lob an die Organisation der Zusammenkunft und äußerten den Wunsch auf eine Folgeveranstaltung.

 
Foto: 45 Jahre ASF-Gründungsbeschluss

Bezirksbürgermeister Bernd Rödel begrüßt die Gäste in KiBeWü.

Foto: 45 Jahre ASF-Gründungsbeschluss

Die Mitglieder des ASF-Bezirksvorstands zusammen mit Inge Wettig-Danielmeier, Monika Ganseforth, Brigitta Franke (5. v.li, Landesfrauenverband) und Thela Wernstedt

Die ASF bedankte sich bei den Gästen für ihr großes Interesse und für die Anerkennung.

 
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