Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von Inge Wettig-Danielmeier, die am 20. Mai 2026 verstorben ist.

Inge Wettig-Danielmeier hat die Sozialdemokratie und die politische Kultur unseres Landes über Jahrzehnte geprägt – mit Haltung, Klarheit und einer Wärme, die Menschen gewann. Ihr Weg begann in der niedersächsischen Landespolitik: Von 1972 bis 1990 gehörte sie dem Niedersächsischen Landtag an und trat dort insbesondere als engagierte Bildungspolitikerin hervor. Bildung war für sie nie nur ein Politikfeld, sondern ein Versprechen: auf Teilhabe, auf Aufstieg durch eigene Leistung – und auf eine Gesellschaft, die niemanden zurücklässt.

1990 wechselte sie in den Deutschen Bundestag. Auch dort blieb sie eine Politikerin, die Brücken baut – nicht laut um ihrer selbst willen, sondern wirksam in der Sache. Besonders sichtbar wurde das in ihrer Arbeit an der Reform des Abtreibungsparagrafen, für die sie einen fraktionsübergreifenden Kompromiss organisierte und damit einen langjährigen gesellschaftlichen Konflikt auf eine neue Grundlage stellte.

Große gesellschaftliche Bedeutung erhielten ihre frauenpolitischen Initiativen. Inge Wettig-Danielmeier gehörte zu jenen, die Gleichberechtigung nicht als Überschrift verstanden, sondern als Auftrag – in Parlamenten, Parteien, Verwaltungen und im Alltag. Ihre Arbeit trug maßgeblich dazu bei, dass die SPD den Quotenbeschluss fasste – ein Schritt, dessen Wirkung weit über die Partei hinausreichte.

Porträt von Svenja Stadler
Svenja Stadler, Vorsitzende SPD-Bezirk Hannover
Inge Wettig-Danielmeier war ein Leuchtturm der Frauenpolitik – eine herausragende Kämpferin für die Gleichberechtigung, die uns gezeigt hat, dass Fortschritt nicht vom Himmel fällt, sondern erstritten wird. Sie hat Türen geöffnet, Wege geebnet und Frauen darin bestärkt, füreinander einzustehen. Ihr Satz ‚Allein schafft es keine!‘ bleibt Auftrag und Ermutigung zugleich.“
Grant Hendrik Tonne
Grant Hendrik Tonne, Vorsitzender SPD-Bezirk Hannover
Inge Wettig-Danielmeier hat in Niedersachsen als Bildungspolitikerin Maßstäbe gesetzt – mit dem festen Glauben daran, dass Bildung der Schlüssel zu Chancen und Zusammenhalt ist. Und sie wusste, was Kurt Schumacher meinte: Politik beginnt mit dem Betrachten der Wirklichkeit. Genau so hat sie gearbeitet – klar in der Analyse, entschlossen in der Konsequenz. Als langjährige Schatzmeisterin der SPD war sie eine hoch angesehene Persönlichkeit, die unsere Partei mit Verlässlichkeit und Weitsicht geprägt hat. Ihr Engagement wirkt bis heute – in unserer Arbeit und in dem Anspruch, Politik zu machen, die Menschen stärkt.

Zugleich war sie eine zutiefst solidarische Ermutigerin: In Erinnerung bleibt ihr Satz aus einem gemeinsamen Schlusswort bei einer Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft der SPD Frauen im SPD-Bezirk Hannover vor knapp zehn Jahren: „Allein schafft es keine!“ – ein Appell, Frauen zu unterstützen, Netzwerke zu bilden und sich gegenseitig den Rücken zu stärken. Dieser Geist, dieses „Sagt uns nicht, dass es nicht geht!“, war für sie nicht Parole, sondern gelebte politische Praxis.

Über viele Jahre trug Inge Wettig-Danielmeier Verantwortung in der engsten Führung unserer Partei: Als Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (ASF) von 1981 bis 1992 und als Schatzmeisterin der SPD von 1991 bis 2007 prägte sie die SPD über zwei Jahrzehnte – verlässlich, integer und stets mit Blick darauf, die Partei stark und handlungsfähig zu halten.

Wir verlieren mit Inge Wettig-Danielmeier eine beeindruckende Persönlichkeit, eine kluge Strategin, eine unbeirrbare Demokratin – und einen Menschen, der andere wachsen ließ. Ihr Wirken bleibt. In den Regeln, die mehr Gerechtigkeit geschaffen haben. In den Türen, die sie geöffnet hat. Und in den vielen Frauen und Männern, die durch sie Mut gefasst haben.

Unser Mitgefühl gilt ihrer Familie, ihren Freundinnen und Freunden sowie allen Weggefährtinnen und Weggefährten.

In Dankbarkeit und stillem Gedenken.

Wir machen soziale Politik für dich und mit dir.