Becker neuer Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Schaumburg

Karsten Becker ist neuer Chef des SPD-Unterbezirks Schaumburg

Becker Wahl

Heiner Bartling hört nach 20 Jahren an der Spitze auf / Laudatio von Lemme / 97 Prozent für Becker

So oder so ähnlich dürfte sich Karsten Becker den Start erträumt haben: Mit 97 Prozent der Stimmen wurde der Stadthäger SPD-Vorsitzende am Sonnabend auf dem Parteitag in Rolfshagen zum neuen Chef des Unterbezirks gewählt. Becker löst Heiner Bartling ab, der nach 20 Jahren an der Spitze der Schaumburger Sozialdemokraten nicht wieder kandidierte.

Schaumburger Nachrichten vom 22.04.2007

KREIS SCHAUMBURG. 104 von 107 Stimmen konnte Becker, der ohne Gegenkandidat antrat, für sich verbuchen. Mit einer solchen Vertrauensbotschaft habe er nicht gerechnet, bedankte er sich „auch in Demut“ bei den Mitgliedern. Auch der erwartete Sieg schien Erleichterung auszulösen: Die Erinnerung an die Bürgermeisterkandidatur in Stadthagen, als die Genossen Becker wider Erwarten gegen Bernd Hellmann durchfielen ließen, dürfte noch präsent gewesen sein.
Zuvor hatte Becker versprochen, das Amt des Vorsitzenden mit hohem persönlichen Einsatz auszuüben und den Erwartungen „nach stärkerer politischer Gestaltung durch den Vorstand“ gerecht werden zu wollen. In Anlehnung an seinen Vorgänger meinte Becker: „Ich kann Euch nicht die Rolle des Innenministers bieten, aber ich werde Euch Präsenz liefern.“
Indirekt spiegelt das Versprechen die Kritik wider, die sich Bartling in seiner Doppelrolle als Landespolitiker und Schaumburger Parteivorsitzender zunehmend gefallen lassen musste. Und die ihn letztlich selbst bewog, den Vorsitz zugunsten der Landespolitik abzugeben. Bartlings politischer Weggefährte Klaus-Henning Lemme indes rief in seiner Laudatio in Erinnerung, dass man vor allem stolz gewesen sei, einen Schaumburger im Kabinett zu haben. Der Spagat sei unabwendbar gewesen: „Man kann keine hohe Präsenz als Unterbezirks-Vorsitzender zeigen und zugleich mit ähnlicher Verve Innenminister sein. Es gab eine Akzentsetzung, die ich richtig fand.“ Lemme dankte Bartling für „hervorragende Arbeit“ im Unterbezirk,der Vorsitzende habe die Politik im Schaumburger Land „mitbestimmt und gesteuert“ und auch zählbare Erfolge für die Partei vorzuweisen: Die SPD sei in Schaumburg stabil, Probleme würden in der Regel aus Land und Bund importiert.
Bartling verband seine Abschiedsrede eher mit optimistischen Ausblicken. Als Erfolgsrezept der SPD nannte er deren Geschlossenheit. Zumindest ab dem Moment, in dem Personalentscheidungen gefallen waren, seien sie wie bei der Bürgermeisterwahl in Stadthagen oder Bückeburg „solidarisch von allen getragen“ worden. Letztlich würden die Wahlergebnisse der Schaumburger SPD, die sich vom „Desaster 2003“ erholt habe, für sich sprechen.
Die Mitgliederentwicklung, die 2006 ein gebremstes Minus ausweist („Es gab Monate, in denen wir keinen Rückgang hatten“), bewertete Bartling nur verhalten skeptisch: Es sei jedenfalls eine Chimäre, dass die CDU jünger und dynamischer aufgestellt sei. Die SPD erneuere sich personell, auch ohne eine „große Organisation“ bei den Jusos vorweisen zu können. Bartling kam auch auf Konflikte in seiner Amtszeit zu sprechen. Die Behauptung, Persönliches lasse sich von Politischem immer sauber trennen, ziehe er in Zweifel, merkte der scheidende Vorsitzende nicht ohne Selbstkritik an und entschuldigte sich bei jenen, die „nicht gerecht
behandelt“ wurden.