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7. Ausbau und Erweiterung der beruflichen Bildung

Wir wollen die Umgestaltung der Berufsbildenden Schulen zu regionalen Kompetenzzentren. Unser Ziel ist es, für alle Jugendlichen eine qualifizierte Ausbildung zu gewährleisten. In mehreren Bundesländern gibt es hierzu bereits Modellversuche. In Niedersachsen wird dies mit dem Modellversuch ProReKo Berufsbildende Schulen in Niedersachsen als regionale Kompetenzzentren angestrebt. Dabei geht es um die Bildung eines berufsbildenden Netzwerkes, bei dem die klassische Berufsschule und regionale Partner der beruflichen Bildung zusammenwirken. Der allgemeine Bildungsauftrag bleibt dabei erhalten, es kommt jedoch zu einer Aufgabenerweiterung der Schule durch die Übertragung einer weit gehenden Eigenverantwortung. Wir unterstützen diesen Prozess. Dabei ist sicher zu stellen, dass die Schulen nicht mehr als verwaltete Institution, sondern als lernende Organisation arbeiten. Die positiv evaluierten Ansätze des Schulversuchs ProReKo werden auf alle berufs-bildenden Schulen übertragen. Die Mitsprache aller Beteiligten an der Gestaltung dieser modernen Kompetenzzentren muss sichergestellt werden. Die Qualitätsentwicklung an Berufsbildenden Schulen wird durch Qualitäts-managementsysteme garantiert. Die Weiterentwicklung des Dualen Systems der beruflichen Bildung muss intensiv vorangetrieben werden. Das Land Niedersachsen wird seinen Einfluss auf Bundesebene geltend machen, um langfristig die Sicherung der beruflichen Bildung auf hohem Niveau zu gewährleisten. Aspekte wie die Europäisierung des Arbeitsmarktes, die Verzahnung von allgemeiner und beruflicher Bildung, das lebenslange Lernen, die Anpassung an die Arbeits-, Produktions- und Geschäftsprozesse sowie die Förderung von benachteiligten Jugendlichen müssen bei der Weiterentwicklung des Dualen Systems eine bedeutende Rolle einnehmen. Etwa 15 % der jungen Menschen sind ohne höhere Schulbildung oder haben Defizite bei einzelnen Kompetenzen (Rechtschreibung, Mathematik usw.). Ein Teil der Jugendlichen hat kognitive und emotionale Defizite. Es herrschen erhebliche Orientierungs- und Motivationslosigkeit. Diese Mängel behindern oft den Lernfortschritt der Jugendlichen oder verhindern ihn gar. Darum ist es notwendig, ein Angebot für eine gelingende Berufsqualifikation zu liefern, die zugleich den Erfordernissen des Arbeitsmarktes wie den Ansprüchen an persönliche Qualifikation und Bildung gerecht wird. Dies gilt es, mit kurz- und mittelfristigen Maßnahmen und langfristigen Perspektiven zu erreichen. Langfristig gilt es, die Abiturquote deutlich zu erhöhen und insgesamt die Zahl und die Qualität der Abschlüsse zu steigern. Unsere Maßnahmen im frühkindlichen- und vorschulischen Bereich sowie die Gemeinsame Schule" werden hier ihren Beitrag leisten. Kurzfristig wird es aber nötig sein, praxisnähere Ausbildungsgänge für diese Gruppe Jugendlicher anzubieten. Wir wollen hier eine enge Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften und der Wirtschaft. Die Stimulierung eines verfestigten und geringer qualifizierten Niedriglohnsektors am unteren Rande der Tarifstruktur lehnen wir allerdings ab.

7.1 Flexible und innovative Konzept für das Lernen für Morgen

Für die Umsetzung der beschriebenen Ziele schlägt die SPD folgenden Handlungskatalog vor: Angebote für lernschwache Schülerinnen und Schüler Wir wollen Berufschancen für lernschwache Jugendliche schaffen, ohne dabei Warteschleifen für den Weg in eine berufliche Zukunft zu organisieren. Dafür sind gezielte Berufsbilder im Sinne theoriegeminderter" Angebote mit einem hohen Praxisanteil vorzuhalten. Denkbar ist auch die Einführung eines Schulmodells Produktionsschule" als ein Instrument der Förderung lernschwacher Jugendlicher. Jugendliche mit Lernbeeinträchtigungen könnten dadurch und ähnliche Bildungsformen beruflich zumindest für die erste Stufe einer Ausbildung qualifiziert werden. Weiter schlagen wir insbesondere für lernschwache Jugendliche nach Abschluss der Sekundarstufe I ein praktisches Jahr vor. Es soll nach den Bedürfnissen der Jugendlichen gestaltet werden. Die Aufsicht unterliegt einem Gremium, das aus Lehrkräften, der Agentur für Arbeit und Kammervertretern besteht. Das praktische Jahr kann beispielsweise aus einer einjährigen beruflichen Orientierung bestehen. Es könnte als erste Stufe einer weiteren beruflichen Ausbildung gelten. Nach einer erfolgreichen Einführung ist zu prüfen, ob es für alle Absolventinnen und Absolventen der Sekundarstufe I eingeführt werden kann, damit berufliche Ersterfahrungen gesammelt werden können. Grundsätzlich sind in enger Kooperation mit Wirtschaft und Gewerkschaften Lernprofile für lernschwache Jugendliche zu erarbeiten und gezielt anzubieten. Es muss in enger Kooperation mit den Kammern gesichert werden, dass die Absolventen solcher Ausbildung Arbeitsplätze und eine hinreichende Entlohnung erhalten. Innere Reform des beruflichen Lernens:Didaktische und organisatorische Konzeptionsentwicklung Wir wollen die Aktivitäten im Bereich der Entwicklung und Evaluierung von Berufsbildern, Ausbildungsordnungen (u. a. Entwicklung neuer Berufsbilder) verstärken. Dafür müssen Modellversuche zur Weiterentwicklung des Dualen Systems entwickelt werden. Es ist nachdrücklich daran zu arbeiten, die prozessorientierten Ausbildungsordnungen in den schulischen Curricularen abzubilden. Darüber hinaus gilt es, Unterrichtshilfen für den handlungsorientierten Unterricht und der Lernfelddidaktik zu entwickeln. Auch sollen Unterrichtsmodule mit einer offenen Ausbildungszeit zwischen 2 und 4 Jahren entwickelt werden, die gegebenenfalls als Credit Points" im ECTS-Rahmen für andere Ausbildungen anerkannt werden können. Die vielfältigen Fremdsprachenpotenziale der Schülerinnen und Schüler sollen aktiv gefördert werden. Für alle Ausbildungsniveaus soll bilingualer Fachunterricht erprobt und schrittweise eingeführt werden. Der ganzheitliche Bildungsanspruch in den Berufsbildenden Schulen ist zusichern. Im Zentrum muss die Vermittlung von Kompetenzen stehen. Die Berufsschule versteht sich als Schule der Vermittlung von Querschnittswissen. Die Entwicklung spezieller Förderungskonzepte für benachteiligte Jugendliche ist eine primäre Aufgabe. Vernetzung mit Weiterbildungseinrichtungen Berufliche Bildungsprozesse enden nicht mit dem Berufsabschluss. Weiterbildung in den Berufsbildenden Schulen kann erhebliche Synergieeffekte auslösen. Die Zusammenarbeit mit den Erwachsenen- und Weiterbildungseinrichtungen ist zu intensivieren. Mit den anerkannten Trägern der Erwachsenenbildung Niedersachsens, mit den privaten Einrichtungen und vor allem den Bildungseinrichtungen der Kammern soll die Arbeit enger koordiniert werden. Berufsbildende Schulen als Schul- und Qualifikationsentwicklungskatalysator in den Regionen Das Land Niedersachsen und die kommunalen Schulträger müssen alle Vollzeitschulformen an Berufsbildenden Schulen als regionales Wirtschaftsentwicklungsinstrument verstehen und weiterentwickeln. Zu diesem Zweck können die Kommunen die Trägerschaft der Berufsbildenden Schulen übernehmen. Es gilt, die Sicherung und den Ausbau der Fachgymnasien und Fachoberschulen an berufsbildenden Schulen als zweite Säule in der Nachwuchssicherung in der akademischen Ausbildung zu garantieren. Hierfür ist eine enge Zusammenarbeit und auch mögliche Zusammenlegung mit den gymnasialen Oberstufen zu Oberstufenzentren zu realisieren.

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