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Porträt von Hermann Rappe Foto: SPD-UB Hildesheim

31. Januar 2022: Zum Tod von Hermann Rappe: Großer Gewerkschafter und Sozialdemokrat

Dreizehn Jahre war er Vorsitzender der Industriegewerkschaft Chemie-Papier-Keramik. 26 Jahre saß er für die SPD im Deutschen Bundestag. Mit 92 Jahren ist Hermann Rappe am Sonntag nach kurzer Krankheit zuhause in Hildesheim verstorben.

Geboren 1929 in Hannoversch Münden, engagierte sich Hermann Rappe nach einer kaufmännischen Lehre in der örtlichen Konsumgenossenschaft als Jugendvertreter und Betriebsratsvorsitzender. Unmittelbar nach Kriegsende übernahm er zudem Funktionen und Verantwortung in der Sozialistischen Jugend/Die Falken und wurde 1947 Mitglied der SPD.

Von 1953 an arbeitete Hermann Rappe in der IG Chemie-Papier-Keramik. Es folgte eine beeindruckende, klassische gewerkschaftliche Laufbahn – vom Jugendsekretär über die Bezirksleitung Niedersachsen bis zur Hauptabteilung Organisation in der Hauptverwaltung. 1966 wählten die Delegierten Hermann Rappe erstmals in den geschäftsführenden Hauptvorstand, 1978 wurde er stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft. Von 1982 bis 1995 prägt Hermann Rappe als Erster Vorsitzender die Politik und das Profil der IG Chemie-Papier-Keramik. In diesen Jahren übernahm er auch Spitzenfunktionen in der Internationalen Föderation von Chemie-, Energie- und Fabrikarbeiterverbänden sowie als Präsident der Europäischen Föderation von Chemiegewerkschaften.

Von 1972 bis 1998 für die SPD im Bundestag

Zu den herausragenden Ergebnissen seiner Lebensleistung gehörte der Neuaufbau der Gewerkschaftsorganisation in Ostdeutschland nach Mauerfall und Wende. Gleichzeitig kämpfte Hermann Rappe erfolgreich um die Sicherung eines zukunftsfähigen, stabilen Kerns der Chemie in den neuen Bundesländern der neue Beschäftigungschancen für die Menschen bot.

In den politischen Richtungskämpfen der 70er Jahren führte Hermann Rappe die IG Chemie-Papier-Keramik auf einen Kurs, der sie zu einer starken Gestaltungskraft innerhalb der Sozialen Marktwirtschaft machte und den Kampf um bessere Arbeits- und Lebensbedingungen mit besonders erfogreich machte.

Hermann Rappe verstand sein gewerkschaftliches Wirken immer auch als Bestandteil seines politischen Engagements in der Politik und im Parlament. Von 1972 bis 1998 war er für die SPD Mitglied des Deutschen Bundestages, darüber eine prägende Persönlichkeit im Gewerkschaftsrat seiner Partei und in der Programmkommission der SPD. Ab 1972 leitete er zudem die Mitbestimmungskommission der SPD und war somit ein entscheidender Wegbereiter der deutschen Mitbestimmungs-Gesetzgebung, die bis heute international beispielgebend für die soziale Marktwirtschaft ist.

Zuversicht selbst in schwierigen Zeiten

Den vorausschauenden, strategischen Fähigkeiten von Hermann Rappe ist darüber hinaus die Gründung der heutigen IGBCE zu verdanken. Gemeinsam mit den Vorsitzenden der Gewerkschaft Leder und der IG Bergbau und Energie legte Hermann Rappe den Grundstein zur Fusion der drei traditionsreichen Organisation 1997 in der neuen IGBCE.

Wer das Glück hatte, Hermann Rappe persönlich zu erleben, wird sich an die ungeheure Lebensfreude und den enormen Optimismus erinnern. Selbst in den schwierigsten Zeiten und in harten Auseinandersetzungen strahlte Hermann Rappe Zuversicht aus. Um Ziele zu erreichen, scheute Hermann Rappe zugleich weder harte Konflikte, wenn erforderlich, noch schwierige Kompromisse, wenn geboten.

Damit hat sich Hermann Rappe Respekt und Anerkennung über die IG Chemie-Papier-Keramik und die Gewerkschaftsbewegung hinaus erworben.Ein Ausdruck dafür ist das Große Bundesverdienstkreuz, das Hermann Rappe ebenso verliehen wurde wie die Auszeichnung als Ehrensenator der Universität Hannover und der Medizinischen Hochschule Hannover. Darüber war Hermann Rappe Inhaber mehrerer Ehrendoktortitel und des Verdienstordens des Landes Sachsen-Anhalt.

Bodenständig und mit strategischer Weitsicht

Die IGBCE wird Hermann Rappe nicht nur als eine große Persönlichkeit in Erinnerung halten, die wesentliche Voraussetzungen für eine moderne, erfolgreiche Gewerkschaft geschaffen hat. Wir erinnern uns vor allem an den Menschen, dem es immer wieder gelungen ist, Vertrauen in die eigene Handlungsstärke zu vermitteln und die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer für die gewerkschaftliche Idee der Solidarität zu begeistern. Selten hat jemand Bodenständigkeit und Verbundenheit mit den Menschen so überzeugend mit strategischer Weitsicht und felsenfesten politischen Werten verknüpft.

Die IGBCE trauert um einen großen Mann. Unser Mitgefühl und unsere Anteilnahme gilt den Verbliebenen.

Michael Vassiliadis • 30. Januar 2022

(Mit freundlicher Genehmigung des Vorwärts.)

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